Beat Frequency

…be­steht aus, Gor­don Charl­ton, ei­nem The­re­min und ei­ni­gen Effekt-Geräte. 

Mu­si­ka­li­sche Einflüsse

Gor­dons mu­si­ka­lisch  for­mende Jahre rei­chen zu­rück in die Punk Rock und In­dus­trial Ära, die DIY Ethik von „ The Fall“, „Pere Ubu“, „Wire“, „Throb­bing Gristle“, „The Re­si­dents“ und „Brian Eno“. Der Ein­fluss von „Throb­bing Gristle“ kann ins­be­son­dere in den Beat Fre­quency Stü­cken „Void Ship“, „Iron Sun“ und „Un­lit Air­raids“ des­sen Text aus sech­zehn Ana­gram­men des Aus­drucks “In­dus­trial Ra­dio” be­steht,  klar er­kannt wer­den. An­dere Ein­flüsse um­fas­sen die Schrif­ten von Wil­liam Bur­roughs, Franz Kafka und eine ganze Reihe von Sci­ence Fic­tion Schrift­stel­lern, die da­da­is­tisch und fu­tu­ris­ti­schen Kunst-Bewegungen und Filme von Pe­ter Greenaway, Stan­ley Ku­brick und Da­vid Lynch. Gor­don nennt sein The­re­min “The Weir­ding Mo­dule (deutsch: „Schall­mo­dul”) in Be­zug auf Lynchs Film Dune, wo die Ver­wen­dung des „Weir­ding Mo­duls“  fol­gen­der­ma­ßen be­schrie­ben wird: “Dies ist Be­stand­teil de Weirding-Weges, den wir Sie leh­ren wer­den. Ei­nige Ge­dan­ken ha­ben ei­nen be­stimm­ten Klang…, wel­cher das Äqui­va­lent zu ei­ner be­stimm­ten Form dar­stellt. Durch Klang und Be­we­gung, kön­nen Sie Ner­ven läh­men, Kno­chen zer­trüm­mern, Feuer le­gen, ei­nen Feind er­wür­gen oder seine Or­gane zerschmettern.…”

Das The­re­min

Die Wahl des In­stru­ments stammt von Gor­dons Liebe zu klas­si­scher Sci­ence Fic­tion, ins­be­son­dere z.B. der Film „Der Tag an dem die Erde still stand“. Gor­don er­klärt: “Für mich wird die Stimme von „Gort“ im Film durch den Klang des The­re­min de­fi­niert, das per­fekt ge­wählte In­stru­ments und al­lein ver­ant­wort­lich da­für das Gort mehr als nur ein Schau­spie­ler in ei­nem Gummi-Anzug und ei­nem Motorrad-Helm ist, ihn in ei­nen le­ben­di­gen Me­cha­nis­mus ver­wan­delnd, mit ab­so­lu­ter Au­to­ri­tät über die Men­schen herr­schend, Po­li­zist, Rich­ter und Hen­ker, un­be­weg­li­ches Ob­jekt und un­be­zwing­bare Kraft, eine zor­ni­ger Gott, un­er­gründ­lich und an­ders.” Die be­rüh­rungs­lose Steue­rung des The­re­min fas­zi­niert mich. Das in­ter­es­sante ist nicht, dass kei­nen phy­si­scher Kon­takt zum In­stru­ment be­steht, son­dern dass trotz­dem ein elek­tri­scher Kon­takt be­steht —  der Spie­ler ist buch­stäb­lich ein Teil des The­re­min Strom­krei­ses, was die Kom­bi­na­tion von In­stru­ment und Spie­ler zu ei­nem ky­ber­ne­ti­schen Or­ga­nis­mus me­ta­mor­phie­ren lässt. Das The­re­min ist nicht nur das erste kom­mer­zi­ell er­hält­li­che elek­tro­ni­sche In­stru­ment in der Mensch­heits­ge­schichte, es ist auch ein Cyborg-Instrument, was ihm den ein­deu­ti­gen Sta­tus ver­schafft, die Kluft zwi­schen akus­ti­scher und elek­tro­ni­scher Mu­sik zu über­brü­cken, und ihm ein elek­tro­ni­sches Ge­fühl bei klas­si­scher An­wen­dung ver­schafft, so­wie dem Spie­ler eine or­ga­ni­sche, hand­ge­machte Sen­si­bi­li­tät in der Welt der elek­tro­ni­sche Musik”.

Beat Fre­quency

Ebenso wie für „Beat Fre­quency“ das The­re­min zen­trale Be­deu­tung hat, ist die Beat Fre­quency (=Schwe­bungs­fre­quenz) zen­tra­les Ele­ment  der Funk­ti­ons­weise des The­re­min Schalt­krei­ses; der un­ver­wech­sel­bare Klang des In­stru­ments ist eine Schwe­bungs­fre­quenz, aus der In­ter­fe­renz zweier RF (Ra­dio Fre­quenz) Os­zil­la­to­ren. Schwe­bungs­fre­quen­zen tre­ten auch bei der mi­kro­to­na­len In­ter­ak­tio­nen auf, wel­che durch die  kon­ti­nu­ier­lich steu­er­bare Ton­höhe des The­re­min auf­tre­ten, ins­be­son­dere dann wenn es mit an­de­ren de­fi­nie­ren­den Funk­tion von Gor­dons Mu­sik kom­bi­niert ge­spielt wird, wie z.B. mit Echo– und Ver­zö­ge­rungs­ef­fekt Ge­rä­ten, die dem mo­no­pho­nen In­stru­ment die Fä­hig­keit der Po­ly­pho­nie ver­lei­hen, und es dem Spie­ler so­mit er­lau­ben Solo Dar­bie­tun­gen ohne  die Ver­wen­dung zu­sätz­li­chen auf­ge­zeich­ne­ten Ton­ma­te­ri­als zu voll­füh­ren. Der Groß­teil der Stü­cke auf Beat Fre­queny ‘s ers­tem Al­bum sind Stu­dio Re­krea­tio­nen der Live-Auftritte, auf­ge­zeich­net in ei­nem ein­zi­gen Durch­gang und ohne Over­dub oder Post-Produktion bis auf ein we­nig zu­sätz­li­chem Hall, um der Mu­sik et­was mehr Dy­na­mik und Un­mit­tel­bar­keit zu verleihen.

The Chord­less Chord

Beat Frequency’s ers­tes Al­bum wurde von Gor­dons Sohn be­ti­telt. Gor­don er­klärt, “Es war eine von Alex’ Be­schrei­bun­gen mei­ner Pro­ben. Ich hatte die Wahl zwi­schen die­ser Be­schrei­bung oder dem Ti­tel „Songs For Strang­ling Cats“,  wo­bei ich da­bei das Ge­fühl hatte die­ser Ti­tel könnte mei­nen Sta­tus als “ernst­zu­neh­men­den ex­pe­ri­men­tel­len Künst­ler” ge­fähr­den. Trotz die­ses of­fen­sicht­li­chen Vor­teils (;-)) wählte ich „The Chord­less Chord“, weil er sich nicht nur auf die Ak­kord An­häu­fun­gen be­zieht, die ich zu die­ser Zeit spielte, son­dern auch auf den Zen-ähnlichen Zu­stand der Gnade, in den viele The­re­mi­nis­ten, mich mit ein­ge­schlos­sen, wech­seln, wenn Sie The­re­min spie­len. Das The­re­min ist eine Meditations-Maschine, eine ma­gi­sche Schach­tel — ein Biofeedback-Gerät, sen­si­bel wie eine Wün­schel­rute, so­gar für die flüch­tigs­ten Mi­kro Ges­ten, syn­the­ti­sie­rend syn­äs­the­ti­sche Klänge die wir mit un­se­ren Hän­den sin­gen und gleich­zei­tig Teil des Strom­krei­ses sind, furcht­los jeg­li­che be­wusste Kon­trolle bei­seite schie­bend, um uns selbst in der Mu­sik zu ver­lie­ren. Wer weiß was durch un­sere Be­schwö­rung her­vor­ge­bracht wer­den kann?”  

The Chord­less Chord“ ist eine Auf­zeich­nung von Gor­dons Ex­pe­ri­men­ten wäh­rend der ers­ten Zwei und drei­vier­tel Jahre „Beat Fre­quency“, meist in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­folge um sei­nen Fort­schritt wäh­rend die­ser Zeit ab­zu­ste­cken. Die frü­he­ren Stü­cke un­ter­schei­den sich durch die wei­che, flö­ten­ar­tige Klang­farbe des „Kees En­kelaar“ The­re­min von der spä­te­ren Ar­beit mit dem „Moog Ether­wave“ The­re­min des­sen Klang­farbe stark an Blech­blas­in­stru­mente er­in­nert. Die Aus­nahme ist “Kra­ken”,  eine Auf­nahme die auf ei­nem Gak­ken Mini The­re­min ge­spielt wurde. Das Gak­ken ist ei­gent­lich ein Spiel­zeug wel­ches aus ei­nem Bau­satz ei­nes ja­pa­ni­schen Bast­ler Ma­ga­zins ent­stammt und nur eine Va­ria­tion der Ton­höhe zu­lässt. Kra­ken wurde des­halb nach der Auf­nahme noch durch Ef­fekte ma­ni­pu­liert. Der letzte Ti­tel, „Iron Sun“, prä­sen­tiert die jüngs­ten Er­run­gen­schaft des „Beat Fre­quency” Ar­se­nals an De­lays, Pitch-Shiftern  und Effekt-Geräten , ein selbst­ge­bau­ter Ring-Modulator mit zwei Ein­gän­gen, ge­nannt „The Pa­nic Box (=Die Pa­nik Box)“ wel­che zu den von „Beat Fre­quency (=Schwe­bungs­fre­quenz)“ er­zeug­ten Schwe­bungs­fre­quen­zen eine zu­sätz­li­che neue Ebene von Schwe­bungs­fre­quen­zen hinzufügt.

The Chord­less Chord“ ist  eine Samm­lung ky­ber­ne­ti­scher Lie­bes­lie­der, ge­sun­gen von ei­nem ein­sa­men Ro­bo­ter in ei­ner lee­ren Höhle,  die in den re­so­nan­ten Kam­mern Dei­nes Ge­hirns in Echos verklingt.

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